Die Königsetappe der Transalp-Tour stand an: von Livigno nach Ponte di Legno. In Ihrem Tagebuch schreiben sowohl das eine Team mit Manuela und Rafael sowie das andere mit Daniel und Nico von Ihren täglichen Erlebnissen.
Manuela und Rafael:
Heute stand für uns die Königs-Etappe auf dem Plan. Königs-Etappe deshalb, weil es sowohl die längste als auch die Strecke mit den meisten Höhenmetern der diesjährigen Transalp war. Sie führte von Livigno nach Ponte di Legno und beinhaltete 106,87km mit insgesamt 3461hm. Bereits beim Strecken-Briefing am Vorabend erwähnte der Rennleiter Uli Stanciu, dass wir mit einem langen Tag rechnen sollten und dass eine Strecke auf uns wartet, bei der viele an einigen Stellen vom Rad absteigen müssen. Und genau das erwartete uns auch direkt schon nach der Einführungsrunde durch Livigno. Nach knapp 2km kamen wir zum ersten Anstieg und sahen bereits aus der Ferne, dass dort kein Mensch auf dem Rad sass sondern alle den Berg hinauf schoben! So mussten auch wir an dieser Rampe absteigen und drücken unsere Bikes mit beiden Armen die knapp 20%ige Steigung hoch. Einige hundert Meter weiter konnten wir dann wieder aufsteigen, da sich das Feld etwas entzerrte und wir die Lücken nun zum weiteren Hochfahren nutzen konnten. Der Anstieg führte uns zunächst hoch zum Passo d’Eira und dann weiter zum Passo Trela, wo wir erneut aufgrund einer wartenden Menschenschlange kurz vom Rad mussten (aber nicht nur wir, sondern auch einer der Motocross-Fahrer, da selbst er mit seiner Maschine die Rampe nicht hochfahren konnte). Zwischen den beiden Pässen gab es eine kurze Abfahrt und wir bekamen bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, was uns im weiteren Streckenverlauf noch alles erwarten wird: knallharte Abfahrten, die technisch aufgrund der Gesteinsbrocken nicht einfach waren. (Hier ist sogar Neustadt ein Kinderspiel dagegen und wer Neustadt kennt, weiss was wir damit meinen.)
Auf dieser Abfahrt konnten wir einige Plätze gut machen und merkten schon, dass es heute wesentlich besser lief als gestern.
Anschliessend ging es dann wieder berghoch, diesmal zum Passo Trela, wo wir den höchsten Punkt (2301hm) für heute erreichten. In dieser Höhe mussten wir (wie gestern auch bereits) ein kurzes Wegstück über Schnee zurücklegen (und konnten es uns diesmal nicht verkneifen eine klitze kleine Schneeballschlacht zu machen ;-) ) Auf der folgenden Abfahrt liessen wir es dann erneut etwas Zeit gut machen (Abfahrten liegen uns :-) ) und konnten hier wieder einige Leute überholen bevor es auf knapp 15-20km auf nahezu ebener Fläche an einem Stausee entlang über Decauville nach Arnoga ging. Hier war Windschattenfahren angesagt und wir konnten auch eine gute Gruppe erwischen in der wir flott voran kamen. In Arnoga angekommen kamen wir zur ersten Verpflegungsstelle für heute, füllten unsere Flaschen wieder auf und weiter gings zum Passo di Verva. Nach diesem Anstieg erwartete uns eine knapp 20km lange Abfahrt von ca 2300hm auf knapp 500hm. Durch das Höhenprofil wussten wir, dass uns eine lange Abfahrt bevor stand, wie anstrengend diese jedoch werden würde, konnten wir vorher nicht wissen. Die Abfahrt bestand hauptsächlich aus grobem, steinigem Untergrund vermischt mit Schotter und speziell im unteren Teil wurde die Strecke durch den Wald hindurch technisch noch sehr anspruchsvoll. Und genau hier begann unsere Pechsträhne, denn erst bekam Rafael einen Durchschlag im Hinterrad und 200m weiter Manuela auch. Somit hiess es erstmal wieder Reifen wechseln (der zweite und dritte Plattfuss unserer aktuellen Transalp). Leider wurden wir durch diese Unterbrechung wieder von zahlreichen anderen Fahrern eingeholt, die wir vorher mühevoll abgeschüttelt hatten. Nach dieser felsigen Abfahrt waren wir froh als wir endlich im Tal ankamen. Allerdings nicht lange, denn direkt im Anschluss erwartete uns der längste und grösste Anstieg für heute. Wir mussten von 500hm wieder hoch auf knapp 2100hm. Dieser Anstieg kostete ziemlich Kraft und oben angekommen wussten wir, dass nur noch knapp 20km vom Ziel entfernt waren. Die letzten Kilometer führten erneut auf felsigen Abfahrten hinunter und über Kopfsteinpflaster bis nach Vallarco. Das letzte Stück bis Ponte di Legno ging es dann erneut etwas aufwärts, aber zum Glück mussten wir hier nicht mehr so viele Höhenmeter bewältigen wie am Anstieg davor. Mit offizieller Fahrtzeit von 07:42 Stunden (unsere reine Fahrtzeit ohne Pausen war knapp 07:22 Stunden) kamen wir als 24. der Mixed-Wertung im Ziel an.
Insgesamt haben wir nun 5 der 8 Etappen (415,1km und 13631hm) der diesjährigen Transalp hinter uns gebracht. Morgen geht’s weiter nach Male.
Daniel und Nico:
Nachtrag von gestern, die Internetverbindung in Passo del Tonale funktionierte nicht.
Auch von unserer Seite: Tiefe Anteilnahme um den tragischen Tod des verstorbenen Schauspielers und Transalp Challengers Heinrich Schmieder.
Heute morgen war es soweit – die Königsetappe stand an. Nach der gestrigen 4. Etappe waren wir komplett am Ende, die Beine komplett leer, der Rücken schmerzt, der Nacken brennt und die Hände haben Druckstellen (daher Vorbau nun mit 3cm Spacern).
Daher wählten wir die einzige Methode zur Besserung – Erholung. Nach Ankunft im Hotel direkt eine Stunde aufs Ohr gelegt und zum ersten Mal während dieser Transalp 8 Stunden geschlafen.Und es hat sogar geholfen. Aber der Reihe nach…
Wir waren um 8.10Uhr am Start (Einlaß zur den Startblöcken ist um 8Uhr) und waren natürlich wieder hinten platziert. Selbst vor 8Uhr bildet sich in Block C eine Schlange vor dem Einlaß – wirklich krank. Die Startblöcke werden nach der Gesamtplatzierung aufgesetzt, dass heißt in unserem Fall Block C da wir knapp die Top100 verpassen. Allerdings starten auch in Block C Mixed, Damen und Master Teams, welche bis zu 2-3 Stunden pro Etappe mehr brauchen wie wir. Das heißt jeden Tag mehrere hundert Biker überholen.
Doch heute wurde dies zum Verhängnis, direkt nach dem Ort Livigno führte die Strecke, mal wieder, eine Skipiste hinauf. Diese war wieder so extrem steil, dass die ersten 400 Meter geschoben wurde – dann steht man mal 5min auf einem Fleck bis man überhaupt weiter kann. Kommt dann noch eine Engstelle hinzu, wie Singletrails oder schmale Brücken kostet das zusätzlich Zeit. Als dann noch das Kameramotorrad an einer extrem steilen Rampe auf dem Singletrail feststeckte fällt es schwer ruhig zu bleiben. So hatten wir erst nach ca. 2 Stunden uns „frei fahren“ können und sind in unserem Leistungsfeld angekommen. Dieser Umstand nervt, wieso wird nicht einfach nach den exakten Zeiten der Gesamtwertung die Blöcke verteilt? Nach Stunde 2 kamen wir richtig in Fahrt, dass Tempo war gut, wir fanden die richtigen Gruppen und konnten uns so Stück für Stück vorarbeiten. Die Abfahrten waren der Wahnsinn, heftige „Schotterabfahrten“, welche einem wirkliche alles abverlangen. Extrem steil, extrem steinig mit teilweise Geröllfeldern. Ebenso die steilen Singletrails, so dass man nur komplett auf der Bremse steht. Dabei zeigt es sich, dass man mittlerweile anderes Terrain erreicht: Die Trails waren super steinig und felsig, die Schläuche pflasterten den Trail. Auch uns erwischte es, als wir versuchten weiter Boden gut zu machen, bei einem hefigen Geröllteil passierte es: Das Hinterrad nicht genug entlastet, Durschlag, Luft draußen. Obwohl es nach 2min weiter ging sind 30 Fahrer an uns vorbei. Die Leistungsdichte ist wirklich heftig. Insgesamt schlauchte die Etappe einfach sehr durch die heftigen Abfahrten, die Hände waren so beansprucht nach 20km Abfahrt, dass man kaum mehr Bremsen und den Lenker festhalten konnte. Viele Stürze waren die Folge, hoffentlich ohne bleibende Verletzungen! Nach 65km kam dann der eigentliche Hammer – Passo Mortirolo (bekannt vom Giro d’Italia). Der schwierigste Pass der Alpen siehe Roadbike. Eigentlich keine richtige Straße, vielmehr ein geteerter Forstweg. 1500 Höhenmeter am Stück bei einer Steigung, die wir zuvor noch nie an einer geteerte Straße gesehen haben. Doch erstaunlicherweise konnten wir unser Tempo durchhalten und kämpften weiter bis zur Schlußabfahrt nach Ponte di Legno. Die letzten 10km vor dem Ziel waren wieder hart – Ebene und ein kleiner Anstieg. Doch die Beine spielten mit – nach 7:04h erreichten wir auf Platz 94 das Ziel.
































